Freddie Mercury sang auf den Queen-Alben alle seine eigenen Titel und die Songs von John Deacon sowie den Großteil der Kompositionen von May und ca. die Hälfte der von Taylor geschriebenen Stücke. Bei Konzerten sang er alle Queen-Titel (mit Ausnahme des Taylor-Songs I’m in Love With My Car).
Bei Live-Auftritten interpretierte er auch häufig Rock-’n’-Roll-Nummern der 50er Jahre, unter anderen Big Spender (Coleman & Fields), Hello Mary Lou (Gene Pitney), (You’re So Square) Baby I Don’t Care (Leiber & Stoller), Tutti Frutti (Penniman & Labostrie), Gimme Some Lovin’ (Winwood & Winwood & Davies). Alle diese Titel wurden auf dem Album Live at Wembley ’86 veröffentlicht.
Stimme
Aufgrund seiner Ausbildung während seiner Internatszeit war er zwar ein fähiger Klavierspieler, aber er hatte nie Gesangsunterricht. Trotzdem hatte er eine unverwechselbare klare, geschmeidige Stimme mit einem für Rocksänger ungewöhnlichen Volumen und Umfang. Freddie Mercury teilt mit anderen Sängern der sogenannten „populären“ Musik, die über eine sehr ausgeprägte Bühnenpräsenz verfügen (zum Beispiel Cab Calloway), das Schicksal, dass dem außerordentlich flexiblen Charakter seiner Singstimme vergleichsweise wenig Beachtung geschenkt wird. Obwohl Mercury (wie Calloway) von Natur aus ein Tenor war, konnte er die verschiedenen Register seiner 3½-Oktaven-Stimme in vielfältiger Weise abschattieren. So war er nicht nur einfach in der Lage, das tiefe F korrekt zu intonieren, er konnte seiner Stimme auch das dazu passende charakteristische Timbre eines Bass-Baritons verleihen. Entsprechend klingt er beim b" im extrem hohen Falsett-Register absolut überzeugend, und er war fähig, den Klangcharakter seiner als Overdub eingesungenen Background-Vocals von den musikalischen Erfordernissen der im Lead dargebotenen Hauptmelodie klar differenzierend abzusetzen. Mercury war in vielen Stilrichtungen „zu Hause“: Von Music-Hall-Titeln wie Killer Queen oder Bring Back That Leroy Brown über den Rock ’n’ Roll der 50er Jahre (Crazy Little Thing Called Love, Man on the Prowl) und Hard Rock bis zu Disco und Funk der 80er Jahre (Staying Power, Body Language, Another One Bites the Dust).
Bühnenpersönlichkeit Die Statue von Freddie Mercury
in Montreux zeigt ihn in einer
typischen Pose bei Auftritten

Mercury faszinierte sein Publikum mit seinen tänzerischen, kraftvollen, auf die Musik abgestimmten und durch die Musik inspirierten Bewegungen. In dieser Hinsicht ging er weiter als die meisten Leadsänger seiner Generation und wirkte ausgesprochen inspirierend auf jüngere Musiker; Elemente der Bühnenshow Mercurys wurden von vielen späteren Sängern „zitiert“. Eine besondere Rolle spielte dabei sein Mikrofonständer, von dem die Füße abmontiert worden waren. Dieses Gerät war integraler Bestandteil seiner Bühnenshow und wurde als Tambourstock, Luftgitarre, Balanciergerät und vieles andere mehr genutzt. Er brauchte für seine Art der Performance eine große Bühne, die sich durch Treppen und
Rampen in die dritte Dimension erstreckte. Zu den abmontierten Füßen ist es aber zufällig gekommen: Bei einem frühen Auftritt von Mercury brach ihm der normale Mikrofonständer an der Stelle durch, an der die Höhe verstellbar war. Um die Show nicht abbrechen zu müssen, machte Mercury einfach weiter und stellte dabei fest, auf wie viele unterschiedliche Weisen er dieses „neue“ Mikrofon einsetzen konnte. Von da an sang er immer so. Ein weiteres Beispiel für dieses theatralische Gebaren ist der – eine berühmte Choreografie von James Brown weiterentwickelte – Auftritt von Freddie Mercury mit dem Union Jack: Er stolzierte zum Song We Will Rock You mit der großen Flagge, die er wie einen Mantel umgehängt hatte, eine Zeit lang über die Bühne, wendete sie dann blitzschnell und präsentierte auf der anderen Seite zur Begeisterung des Publikums die jeweilige Landesfahne. Am Ende des Konzerts schritt er zum abschließenden God Save The Queen mit Hermelinmantel und Krone die Bühne ab und zog schließlich die Krone wie einen Hut als Reverenz vor dem Publikum. Eine weitere Besonderheit von Freddie Mercury bei Live-Auftritten war der Song Now I’m Here, bei dem er mit Hilfe der damaligen technischen Möglichkeiten des Loop eine sich graduell verdichtende Vokalpolyphonie mit der eigenen Stimme entwickelte. Dies wurde auch bei einem Queenkonzert im Hyde-Park 1975 visuell unterstützt. Für dieses Konzert wurde ein „Doppelgänger“ von Mercury engagiert. Ein Spotlight blendete, auf der völlig dunklen Bühne, im ersten Teil des Loops den „Doppelgänger“ an und im zweiten Teil Mercury. Beide standen aber auf der Bühne zu weit entfernt, als dass man die Strecke innerhalb des Loops hätte zurücklegen können. Der Effekt war also der, als ob Mercury zweimal auf der Bühne stehen würde. Ferner waren Gesangssoli improvisatorischen Charakters oft Teil seiner Performance, wobei sich auch hier Mercurys für einen Rock-Sänger bemerkenswerte stilistische Flexibilität zeigt – in diesen Exkursen greift er auf Elemente des Bebop (Jon Hendricks), des Soul (Donny Hathaway) und der brasilianischen Musik (Hermeto Pascoal) zurück. Daraus entwickelten sich seine „Singspiele“ mit dem Publikum, bei denen er eine Tonfolge vorsang, die dann nachgesungen wurde. Dabei wurden die Sequenzen immer länger, komplizierter und schneller, bis das Publikum nicht mehr mithalten konnte.