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A night at the opera

"Die Opernkönigin muss eine einzige Diva wählen. Die anderen Divas können bewundert, genossen, sogar geliebt werden. Aber nur eine Diva kann im Herzen der Opernkönigin regieren, nur eine Diva kann die Macht haben, das Leben eines Zuhörers zu beschreiben, wie ein Kompass einen Kreis beschriebt."
Wayne Koestenbaum: The Queen's Throat - Opera, Homosexuality and the Mystery of Desire (Penguin Books)



Die Opernkönigin war in diesem Fall Freddie Mercury; die Diva Montserrat Caballé. Es wäre zwar poetisch zu sagen, dass sie einander gefunden haben, aber es war eher so, dass Freddie sie gefunden hat. Sie hatte bis zu diesem Tag noch nie von ihm gehört. In seinem außergewöhnlichen Buch 'The Queen's Throat' - wie Freddie diesen Titel geliebt hätte! - spricht Wayne Koestenbaum von dem Reiz, den die oper auf jemanden ausübt, der mit Rockmusik groß geworden ist. Rockmusik, die selbst in ihren ehrgeizigsten, bombastischsten, ja "Queen-artigsten" Phasen dem Bombast von Opern wie Aida oder Carmen nicht das Wasser reichen kann. "Die Lautstärke, Höhe, Tiefe, Üppigkeit und der Exzess von Oper", schreibt er, "enthüllen im Kontrast, wie klein deine Gesten gewesen sind, wie ärmlich deine Körperlichkeit war..."



Dies ist vermutlich der Grund, warum die heutige Diva in Person, Montserrat Caballé, einer der wenigen Menschen - wenn nicht der einzige Mensch überhaupt - gewesen ist, die Freddie Mercury die Sprache verschlagen haben. Er entdeckte sie im Mai 1983 während einer Produktion von Verdis 'Un Ballo In Maschero' (Ein Maskenball), auf der er zusammen mit seinem Assistenten Peter "Phoebe" Freestone anwesend war, um dort eigentlich den berühmtesten lebenden Tenor, Luciano Pavarotti, zu sehen und zu hören. "Pavarotti kam auf die Bühne und sang eine Arie im ersten Akt, und Freddie fand ihn hervorragend", sagt Freestone in Lesley-Ann Jones Freddie-Biografie namens 'Freddie Mercury'. "Im zweiten Akt kam dann die Primadonna auf die Bühne, und das war Montserrat Caballé... Sie begann zu singen und das War's. Freddie staunte mit offenem Mund. Von da an wollte er nur noch sie..."

 

 

 

Das Album, das die beiden schließlich gemeinsam aufnahmen, ist für mich das musikalische Kernstück, der eine, vollkommene Triumph dieser drei aufwendig verpackten Solo-LPs. Auf dieser Platte erwacht Freddies Stimme in einer Art zum Leben, die auf keinem seiner anderen Solowerke zu hören ist. Seine Ungeduld mit den Einschränkungen von Rock und Pop, die Zeit von Zeit während seiner gesamtem Karriere erkennbar ist - beginnend mit dem Werk Bohemian Rhapsody, selbst eine Mini-Rockoper in drei Teilen, bei dem er die Grenzen der Form weit gestreckt hat - findet jetzt ein Ventil in der Gesellschaft einer wahren Sängerin. (Bezeichnenderweise war das erste, was er sagte, als er ihre fast geisterhafte Stimme hörte: "Das ist eine echte Sängerin".)




Was mir am Zusammenkommen von Freddie Mercury und Montserrat Caballé so gefällt, ist in gewisser Weise dasselbe, was ich auch an Bohemian Rhapsody und dem Video zu I Want To Break Free liebe - die Ambition, den Nerv, die Scher-dich-zum-Teufel-Einstellung des Mannes. Die Idee eines Popsängers und einer Opernsängerin im Duett hat etwas Eigenartiges, etwas, das eigentlich auf eine No-Win-Situation, eine Distanzierung oder einen Kompromiss zwischen hoher und niedriger Kultur hindeutet, aus dem keiner von beiden siegreich - oder würdevoll - hervorgehen kann. Dies war jedoch nicht der Fall. Freddie verstand Montserrat, und sie verstand Freddie, sie waren von Anfang ungemein gerne zusammen, blieben bis früh morgens auf und sangen gemeinsam Show-, Pop- und Opernmelodien am Klavier. Sie waren Divas unter sich, in Harmonie miteinander.

Schließlich fanden sie eine Bühne, die groß genug für beide war: Sie traten in Barcelona mit dem Operhausorchester und Chor der Stadt auf. Zum Publikum zählten auch die Königin und der König von Spanien. Anlass war das 'La Nit' Open-Air-Festival, auf dem die Stadt offiziell die Olympische Flagge aus Seoul erhielt. (Aufgrund von Freddies ständig wiederauftretenden Problemen mit Knoten an den Stimmbändern, des Sängers Alptraum, konnten die beiden nicht live singen, was jedoch kaum eine Rolle spielte - was zählte, was das Gefühl des Besonderen, des Symbolischen).



In vieler Weise stellten die Duette mit Montserrat Caballé auf dem Barcelona-Album Freddie Mercurys letzten Triumph dar. Natürlich gab es danach noch eine Soloalbum und weitere Queen-Hits, aber diese Zusammenarbeit war mehr als alles andere ein Triumph des Willen. Er sah eine Chance, sich außerhalb der Rockmusik neu zu erfinden und wagte den Sprung. Und welch ein Sprung - Überzeugung, Selbstvertrauen, Glauben an sich selbst, alles war mit im Spiel. Wenn wir jetzt die anderen, hier zusammengetragenen Solowerke hören, gewinnen wir einen kleinen Einblick in eine weitere Facette von Freddie Mercury - als jemand, der zwar auf seine einzigartigen Fähigkeiten vertraut, doch ohne die anderen "Drei" um ihn herum seltsam verloren scheint. Emotional und musikalisch sind Mr. Bad Guy, das kommerziell kein Erfolg war, und The Great Pretender (die US-Version von The Freddie Mercury Album mit wesentlich angemessenerem Titel) äußerst reichhaltig und bilden einen weiteren Puzzlestein im Bild von Freddie Mercury als Entertainer und Chamäleon, der mit großer Leichtigkeit immer wieder andere musikalische Verkleidungen annimmt. Man hat den Eindruck eines Mannes, der versucht, seine Fähigkeiten darzubieten, ohne sie jedoch bis zum Äußersten zu strecken: Es ist fast, als würde er vorsichtig die Lage für eine künftige Solokarriere sondieren. Wer weiß?

 

 

Auf persönlicher Ebene ist der Freddie Mercury, der auf Barcelona zu hören ist, eine aufregendere, um nicht zu sagen, faszinierendere Aussicht. Man hört buchstäblich, wie aufgeregt er ist, wie sehr ihn die Neuheit des Ganzen, die Herausforderung, inspiriert und stimuliert. Kurz, er ist in seinem kreativen Element. Das allein ist schon des Preis wert. Es ist ebenfalls ein passender Abschied von einem Leben gegen den Strich, gegen die Erwartungen, gegen Beschränkungen - auf kreativer ebenso wie auf gesellschaftlicher Ebene.

 

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